Lucern 2016

Start bei Rotseeregatta in Luzern  2016

„Ritterschlag“ für Undine-Ruderer Max Fränkel

Offenbach - Für seinen Trainer Jochen Weber ist die Teilnahme ohnehin ein „Ritterschlag“. Für Max Fränkel von der RG Undine Offenbach öffnet sich mit einer starken Leistung im Einer bei der legendären Rotseeregatta in Luzern ab Freitag vielleicht nochmal das Fenster zu den Olympischen Spielen in Rio. Von Jörg Moll 

Wer auf dem Luzerner Rotsee ins Boot steigen darf, weiß, was auf ihn zukommt: Beim renommiertesten aller Ruderweltcups misst sich regelmäßig die Weltelite. Max Fränkel realisiert so langsam, was auf ihn ab Freitag (11.10 Uhr: Vorläufe, 16.50 Uhr: Viertelfinale) wartet. „So kurz vor den Rennen wird der Adrenalinspiegel deutlich ansteigen“, sagt der 24-Jährige. Der Deutsche Ruderverband (DRV) hat den Offenbacher als einen von zwei deutschen Startern neben Patrick Leineweber im Einer nominiert. Nur die besten Nationen der Welt werden zu diesem Rennen überhaupt eingeladen. Zu Fränkels Konkurrenten gehört unter anderem sein großes Vorbild, der amtierende Weltmeister Mahe Drysdale (Neuseeland), den er bislang nur auf Youtube-Videos studiert hat. Dass er nun womöglich im Finale am Sonntag (ab 9.48 Uhr) gegen Drysdale rudert, verdankt er einem enormen Leistungssprung. Am deutlichsten wird Fränkels Explosion an den Riemen beim Blick auf die obligatorischen Leistungsüberprüfungen auf dem Ergometer.

Binnen eineinhalb Jahren hat er dort seine Bestzeit über die 2000-Meter-Distanz um 15 Sekunden auf 5:46 Minuten gesteigert. Brisant: Die für Rio vorgesehenen Ruderer im Doppel-Vierer hat er allesamt hinter sich gelassen. Sogar Marcel Hacker, einst im Einer zur Weltklasse zählend und nun Kandidat für diese Bootsklasse. Für Undine-Trainer Jochen Weber ist Fränkel daher eine logische Alternative, falls Bundestrainer Markus Schwarzrock sein Boot doch noch umbesetzen sollte. Die aktuelle Besetzung fuhr bei der Europameisterschaft in Brandenburg mit Platz vier für Weber „ein indiskutables Ergebnis“ ein. Fränkel, so der Plan seines Heimtrainers, könnte sich mit einem starken Lauf in Luzern nochmals ins Fenster für Rio stellen. Der 24-Jährige hält sich aus der Diskussion raus. „Der Bundestrainer hat sein Team gewählt, ob objektiv oder nicht“, sagt er. „Ich will aber in Luzern mindestens mit dem Zaunpfahl winken“, sagt Fränkel und blickt bereits forsch voraus: „Mein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, da will ich um Medaillen mitfahren.“

Die Erklärung für den rasanten Formanstieg hat er schnell parat. „Das ist eine Folge von Trainingsfleiß“, erklärt Fränkel und zerstreut erste bereits aufgekommene Zweifel einiger Kritiker, die nicht legale Substanzen als Ursache vermuten: „Mich kann man gerne testen, ich bin sauber.“

Tatsächlich liegt nahe, dass die neue berufliche Perspektive der Grund für die Leistungsexplosion ist. Als angehender Kommissar im gehobenen Dienst gehört er seit 2014 der Sportfördergruppe der Hessischen Polizei an. „Seither habe ich Toprahmenbedingungen“, erklärt der Offenbacher. Während des viereinhalb Jahre dauernden Bachelor-Studiums in Wiesbaden wird er für Trainingslager und Wettkämpfe freigestellt. „Anders wäre die Leistungssteigerung nicht möglich“, konstatiert der Undine-Ruderer, der zuvor als ausgebildeter Chemikant in Höchst acht Stunden pro Tag arbeitete und schnell an Grenzen gestoßen war. „Danach noch viel und vernünftig zu trainieren, war einfach nicht möglich.“ Seit 2014 trainiert er mindestens zweimal am Tag jeweils bis zu 90 Minuten. In Trainingslagern, wie zuletzt vor Luzern im badischen Breisach, sind es in der Regel drei Einheiten am Tag.

Mehr als ein Fingerzeig, dass er auf dem richtigen Weg ist, war die deutsche Kleinbootmeisterschaft in Köln, wo er sich als Fünfter im Einer gegen starke Konkurrenz behauptete. Zugute kommt ihm dabei, dass er seit knapp zwei Monaten ein topmodernes Boot zu Wasser lassen kann. Sein Heimatverein RG Undine Offenbach hat ihm einen 14.000 Euro teuren neuen Einer zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug wurde der alte für knapp 6000 Euro verkauft. „Das ist natürlich großartig“, freut sich Fränkel: „Es ist ein enormer Aufwand, aber es ist auch ein Riesenunterschied zum alten Boot.“

Am Freitag werden Boot und Ruderer nun den ultimativen Härtetest absolvieren. „Die Rotseeregatta ist der Ritterschlag für Ruderer“, sagt Trainer Jochen Weber. Höher einzuschätzen ist nur die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Über die aber entscheidet nicht nur allein die Leistung in Luzern, sondern vor allem ein mögliches Umdenken des Bundestrainers. „Wenn er dort schnell ist und gute Leute schlägt, baut er richtig Druck auf“, ist Jochen Weber überzeugt. Sollte Fränkel dann dennoch kein Thema für den olympischen den Doppelvierer sein, wäre für Weber „das Leistungsprinzip in Frage gestellt“.